Ursula and Kurt Schubert Archives of Hebrew Illuminated Manuscripts, Center of Jewish Art, Hebrew University Jerusalem

Von links nach rechts: Ido Noy, Gilad Hemed, Dr. Vladimir Levin (Direktor des CJA), Prof. Aliza Cohen-Mushlin (ehemalige Direktorin des CJA), Michal Sternthal, Dr. Anna Berezin; davor hockend: Dr. Sergey Kravtsov

Das Zentrum für Jüdische Kunst an der Hebrew University in Jersualem betreibt ein umfangreiches Dokumentationsprogramm, dessen Ziel es ist, das visuelle Erbe des judischen Volkes systematisch zu dokumentieren und alle Objekte jüdischer Kunst, deren Geschichte und Ikonographie zu erfassen. Einen wichtigen Bestandteil bilden die Ursula and Kurt Schubert Archives of Hebrew Illuminated Manuscripts. Ursula und Kurt Schubert gehörten zu den frühesten Wissenschaftlern, die sich in der Nachkriegszeit in Europa mit dem Thema der jüdischen Kunst beschäftigten. Ursula als zunächst an frühchristlicher Kunst interessierte Kunsthistorikerin und Kurt als Judaist im umfassendsten Sinne ergänzten sich in einer einzigartigen Weise, machte doch erst ihre Zusammenschau aus ihrer jeweils professionellen Perspektive die Verortung und Entschlüsselung zahlreicher ikonographischer Ausdrucksformen und Details möglich. Dabei lag ihr Hauptaugenmerk innerhalb des breiten Spektrums jüdischer Kunst auf illustrierten und illuminierten hebräischen Handschriften.

Sich in den 1970er, 1980er und 1990er Jahre einen breitest möglichen Überblick über einzelne Darstellungen und Illustrationszyklen in hebräischen Handschriften vom Mittelalter bis in die Neuzeit zu verschaffen, war wesentlich aufwendiger als heute, da uns das Internet Recherche und Ergebniszugriff so wesentlich erleichtert. Ursula und Kurt Schubert mussten noch erhebliche zeitliche, organisatorische, logistische und finanzielle Investitionen tätigen, um entsprechendes Bildmaterial auszumachen, zu begutachten und zu bearbeiten. Früh erkannte vor allem Ursula die Sinnhaftigkeit der systematischen Dokumentation ihrer Bildrecherchen und das Forscherpaar begann mit dem Aufbau einer Bildersammlung in Form von Fotografien. Subventionen des österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung ermöglichten die Anschaffung nicht nur von Einzelbildern sondern auch von kompletten Bilderserien und Handschriften des als relevant erachteten Materials. Diese für alle Interessenten zugängliche Bildersammlung wuchs zu einem derart großen Archiv an, dass es am von Kurt geleiteten Institut für Judaistik in Wien keinen Platz mehr fand und in eine gegenüberliegende Dependance übersiedelt wurde. Dort wurde die Sammlung auch katalogisiert und nach Gattung, Entstehungszeit, Aufbewahrungsort sowie Sujet verschlagwortet.

Nach Ursulas Tod im Jahr 1999 schenkte Kurt die Sammlung auf ihren Wunsch hin dem Centre of Jewish Art an der Hebrew University in Jerusalem, wo sie Studierenden und Lehrenden des Fachbereichs Jüdische Kunst bis heute zur Verfügung steht.

http://cja.huji.ac.il/

Felicitas Heimann-Jelinek (geb. 1954) ist Judaistin und Kunsthistorikerin. Sie war Schülerin von Kurt und Ursula Schubert. Von 1993 bis 2011 war sie Chefkuratorin des Jüdischen Museums Wien. Seit 2011 ist sie freischaffende Künstlerin, Forscherin und Consultant für Museen. Sie zeichnet für zahlreiche erfolgreiche Ausstellungen und Publikationen zur materiellen jüdischen Gedächtniskultur verantwortlich.